Die Leute von Lufthansa Cargo haben Angst um ihre Jobs

Für den Flugkapitän Wolfgang Raebiger geht es um alles: “Wenn wir nachts nicht mehr fliegen können, droht die Logistikkette zu reißen.” Raebiger fliegt bei der Lufthansa Cargo eine McDonnell Douglas MD-11 – auch nachts. Bislang zumindest. Ab 30. Oktober soll es anders werden. Und da sehen Raebiger und viele andere aus der Belegschaft der Lufthansa Cargo eine Gefahr für die Jobs auf sich zukommen. Gestern haben rund 500 von ihnen ihren Protest bei einer außerordentlichen Betriebsversammlung geäußert. Auf dem kleinen Podest auf einem Parkplatz außerhalb des Geländes standen der Betriebsratsvorsitzende Ralf Müller und Peter Gerber, Finanz- und Personalvorstand der 2700 Mitarbeiter starken Lufthansa-Tochter. Sie waren sich einig: Das Nachtflugverbot darf nicht kommen. Sonst wären womöglich 1000 Jobs in Gefahr.
Warum? Raebiger erläutert: “Viel Fracht wird in Frankfurt lediglich umgeschlagen. Sie kommt aus Passagiermaschinen und wird spät abends in eine Frachtmaschine gepackt. Nachts gegen zwei Uhr fliegen wir los und sind dank Zeitverschiebung morgens um sechs Uhr in New York.” Wenn das nicht mehr möglich ist, sind Arbeitsplätze gefährdet. Solche Nachtflüge könnten nur dort starten, wo tagsüber viele Passagiermaschinen landen. Deshalb kann Frankfurt nicht auf Nachtflüge verzichten.
Der Frachtabfertiger Toni Ashraf sieht seine Zukunft in Gefahr. “Ich bin 20, ich will eine Familie gründen. Aber so, wie es jetzt ist, müssen wir alle Angst um die Arbeitsplätze haben.” Da stimmt die Betriebsrätin Annette Abel-Resch zu. “Das Urteil des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs nehmen wir mit großer Sorge zur Kenntnis. Ich bin hier, um für jeden einzelnen Arbeitsplatz zu kämpfen.”
Der Verwaltungsgerichtshof hatte vor zwei Wochen völlig überraschend entschieden, dass im neuen Flugplan (ab 31. Oktober) ein totales Nachtflugverbot gilt. Lufthansa Cargo, der elf Nachtflüge zugesagt worden waren, musste den Flugplan kurzfristig und kostspielig anpassen.
Für die Sachbearbeiterin Elina Jost ist das eine Bedrohung. “Die Nachtflüge sind wichtig für das Unternehmen. Wir brauchen die Nacht, um konkurenzfähig zu bleiben.” Elina Jost wohnt in Walldorf. Sie weiß, was Fluglärm ist. “Ich habe die Flugzeuge über dem Dach, auch nachts, aber es stört mich nicht.”
Der Frachtabfertiger Heval Hoyuncuer fürchtet: “Wenn das mit dem Nachtflugverbot so bleibt, dann sind die Jobs in Gefahr und die Löhne sinken.” 90 Prozent der Frachtflugzeuge fliegen nachts, so Hoyuncuer.
Quelle: Frankfurter Neue Presse